Aufbau des Jahreskreises

Der keltische Jahreskreis verfügt über insgesamt acht Feste, vier Sonnenfeste und vier Feuerfeste. Sonnenfeste sind Feste, die sich auf bestimmte Sonnenstände beziehen. Sie werden in der druidischen Tradition mit walisischen Namen bezeichnet:

Die Sonnenfeste

Sonnenstand Name Übersetzung Datum
Frühjahrs-Äquinox Alban Eiler Licht über dem Land ca. 21.03
Sommersonnenwende Alban Heruin Licht über der Küste ca. 21.06
Herbst-Äquinox Alban Elued Licht über dem Wasser ca. 21.09.
Wintersonnenwende Alban Arthuan Licht von Arthur ca. 21.12.


Der Benennung der Feste liegt die Vorstellung zugrunde, dass die Sonne über dem Land/den Bergen aufgeht, im Tagesverlauf über die Küste zieht und abends im Meer versinkt. Ein schönes Bild und ein Beispiel für die Gleichsetzung zweier natürlicher Zyklen, nämlich eines Tages mit einem Jahr.
"Licht von Arthur" spielt auf die aus dem Artus-Sagenzyklus stammende keltische Tradition an, derzufolge König Artus mit seinen Rittern in einem Berg schläft und wieder erwachen wird, wenn das Volk seine Hilfe benötigt.
In unsere Zeit hat sich von den keltischen Sonnenfesten nur Alban Arthuan retten können, denn hierbei handelt es sich um den tatsächlichen Grund unserer Feier von ... ? Ganz richtig, Weihnachten!


Die Feuerfeste

Dazu treten die vier Feuerfeste, die eigentlichen Hochfeste der Kelten. Sie heißen Feuerfeste, weil ihre Feier in der Regel am Feuer oder unter Verwendung von Feuer stattfindet. Sie werden i.d.R. in irischem Gälisch bezeichnet, wobei sich in den letzten Jahren eine gemäßigte englische Notation durchgesetzt hat:

mod. engl. Name gälischer Name Übersetzung Datum
Imbolc Oímealg Milch des Mutterschafes* 02.02.
Beltane Bealtainne Bels Feuer, helles Feuer* 01.05.
Lugnasad Lughnasadh Fest des Lugh 01.09.
Samhain Samhuinne Ende des Sommers 01.11.


* Die exakten Übersetzungen der aus dem Altirischen stammenden Begriffe sind nach wie vor umstritten. Hier angegeben ist die nach herrschender Meinung wahrscheinlichste Bedeutung.

 


Die Feuerfeste werden am Vorabend gefeiert. Die Kelten waren der Auffassung, dass der neue Tag mit dem Einsetzen der Abenddämmerung beginnt. Diesen Brauch finden wir heute in Deutschland noch zu Nikolaus (kommt am Vorabend des 06.12.), Weihnachten (Vorabend des 25.12.), Lichtmess (Vorabend des 02.02.), in den angloamerikanischen Ländern zu Halloween/Samhain (Vorabend des 01.11.). Die Feuerfeste haben bis auf Lughnasadh bis in unsere Zeit überlebt, stellenweise im christlichen Gewand:

Imbolc ist das heutige christliche Fest Maria Lichtmess, in den USA wird am 02.02. der "Groundhog Day" begangen, ebenfalls eine Art Frühlingsfest mit Lichtsymbolik.
Aus Beltane wurde der heutige Maifeiertag, der keine christliche Symbolik besitzt, aber im regionalen Volksbrauchtum teilweise immer noch große Bedeutung hat (Maibäume!).
Samhain finden wir in den bedeutenden christlichen Feiertagen Allerheiligen und Allerseelen wieder.