Samhain

Das Wort Samhain stammt aus dem Alt-Irischen und bedeutet "Ende des Sommers", von sam=Sommer und huin=Ende. Weitere "Untertitel" dieses Festes sind "Third Harvest" und "keltisches Neujahr".

Das Fest Samhain steht am Ende der Ernte und bezeichnet den Schluss des agrarischen Jahres-Zyklus. An Samhain beginnt der Winter und das neue Jahr.

Samhain, die Zeit zwischen zwei Jahren, bildet ein magisches Intervall, währenddessen die Gesetze von Raum und Zeit aufgehoben sind. Die Schleier zwischen den Welten sind besonders dünn und die Ahnen wandeln wieder auf der Erde.
Es ist deshalb die richtige Zeit, um den Ahnen Ehre und Gastfreundschaft zu erweisen. Dies geschieht mit Gebeten und Speiseopfern. Selbst wenn die Speisen unberührt erscheinen, soll ihre Essenz auf die Geister der Ahnen übergehen.



Samhain ist neben Bealtainne (Beltane) auch eine der zwei Geisternächte des Jahres. In diesen Nächten sind die Feen am aktivsten, die Hügel der Sidhe öffnen sich und die Sidhe wandern umher. Traditionell war es üblich, dass die Kinder sich verkleidet haben, um die wandernden Geister in die Irre zu führen. Es wurde auch Schabernack getrieben. Daraus entstand Halloween, das mit irischen Auswanderern in die USA gelangte und dort in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts die heute bekannte Ausprägung entwickelte.

Im Agrarzyklus ist Samhain die Zeit, in der Tiere geschlachtet werden. Man muss sich vorstellen, dass die Vorräte, auch das Futter für die Tiere, immer zuwenig waren. Die Kelten mussten sich deswegen genau überlegen, welche und wie viele Tiere sie durch den Winter füttern konnten. Alte, kranke und schwache Tiere, bei denen man davon ausgehen musste, dass sie es nicht schaffen würden, wurden zu Beginn des Winters geschlachtet, das Fleisch teilweise ein einem letzten Fest verspeist, der andere Teil wurde haltbar gemacht und den Vorräten hinzugefügt.
Deswegen wird der November von alters her auch als "blood monath" (Blutmonat) bezeichnet.

Das neue Jahr beginnt bei Sonnenuntergang am 31. Oktober.
Es ist eine Zeit, in der Abrechnung gehalten wird, eine Zeit, in der Einflüsse, Konzepte und Vorstellungen aus dem Leben gestrichen werden, die sich als nicht mehr nützlich erwiesen haben. Es ist auch eine Zeit, in der es im Hinblick auf den kommenden Winter angebracht erscheint, sich mit den persönlichen Ahnen, denen des Stammes und anderen hilfreichen Geistern wieder neu zu verbinden.
Die ständigen Assoziationen von Blut, Tod und Vergängnis stammen aus der Natur. Die Natur scheint zu sterben, die Laubbäume verlieren ihre Blätter, die Felder liegen brach und die letzten Blumen erfrieren in den ersten Nachtfrösten. Dieses Beispiel der Natur vor Augen führt den Menschen zu Gedanken über seinen eigenen Tod und die Vergänglichkeit allen Seins, weswegen der November seit altersher so als "Totenmonat" geprägt ist.

Die Gottheiten, die mit Samhain assoziiert sind, sind die Morrigan und der Dagda.

Der Dagda ist bekannt als der "gute Gott". Er ist der Große Vater, der Patron der Wissenschaften. Er ist die Personifikation der Fruchtbarkeit, Großzügigkeit, der Gesetzgebung und des Schutzes. Er kann Lebende töten und Tote wiedererwecken. Er besitzt einen großen Kessel, aus dem Heilung und Nahrung immer für den Stamm verfügbar sind.

Die Morrigan, die schwarze Krähe der Schlacht, ist eine dreifache Gottheit. Sie ist Jungfrau, Mutter und alte Frau. Sie ist die Cailleach, die Hexe, die sich an blutigen Schlachten erfreut. Sie erscheint in der Gestalt eines Raben oder einer Krähe oder als Frau, die von diesen Vögeln begleitet wird. Krähen und Raben waren früher die Vögel, die man auf Schlachtfeldern nach dem Kampf angetroffen hat.

Samhain ist in seiner Quintessenz eine Zeit der Vorstellung, der Geisteskraft, eine Zeit des Abstieges in das schwarze Chaos, aus dem letztendlich neue Ideen und neues Leben hervorgehen werden. Samhain markiert den Beginn der Zeit, in der die Arbeit auf dem Felde, die Betätigung im Freien, das Körperliche ruhen und dem Menschen Zeit gegeben ist, im Schutze des Heimes am Geistigen zu arbeiten, den geistigen Körper zu stärken.