Alban Arthuan - Wintersonnenwende

Alban Arthuan, Wintersonnenwende

Zur dunkelsten Zeit des Jahres feiern wir die Rückkehr des Göttlichen Kindes, der goldenen wiedergeborenen Sonnwend-Sonne, die die Erde wieder wärmen und Licht und Leben zurückbringen wird. Das Rad des Jahres dreht sich über den Tod hinaus und bewegt sich auf neues Licht und neues Leben zu.

Diese Vorstellung treffen wir in den unterschiedlichsten Kulturkreisen an. Auch z.B. im Christentum wird ein Kind geboren, Jesus Christus, das Licht der Welt. Nachdem in der Bibel kein Geburtstag von Jesus überliefert ist, legte die Kirche den Tag bald in die Nähe der Wintersonnenwende, weil der thematische Zusammenhang so passend erschien, manche sagen auch, weil die Menschen von den Feierlichkeiten zur Wintersonnenwende nicht ablassen wollten.
Während Samhain ein Fest ist, das doch überwiegend mit der keltischen Kultur verbunden ist, ist Alban Arthuan ein universales Fest, wir bezeichnen es lediglich mit einem keltischen Namen.



Der zentrale und grundlegende Gedanke von Alban Arthuan ist die Erneuerung. Wir lassen das Vergangene hinter uns und begrüßen das Neue. Die Welt befindet sich im beständigen Wandel und wir müssen uns anpassen, uns mit ihr ändern, um überleben zu können. Der Wandel ist unvermeidbar. Heinrich Heine hat gesagt: "Nichts ist so beständig wie der Wandel". Im Wissen darum feierten von alters her die Menschen Feste, um sich rituell zu lösen von Begegnungen, Beziehungen und Erfahrungen, die vorbeigezogen sind, und um sich zu öffnen für das, was das Leben an Neuem bereithalten würde.

Alban Arthuan ist auch eine gute Gelegenheit, einmal über die Bedeutung der Sonne nachzudenken. Trotz moderner Technologien und der Möglichkeit, einen Raum durch einen Schalterdruck elektrisch taghell zu erleuchten, sind wir von der Sonne absolut abhängig. Die Sonne gibt Tages- und Jahreszeiten vor, entscheidet über das Wachstum der Pflanzen (und damit über die Existenz aller lebenden Wesen) und reguliert Hitze und Kälte. Im Prinzip "dreht" sich auf der Erde und im ganzen "Sonnen"-System (sic!) alles um die Sonne.
Wir wissen heute, dass die Sonne zurückkommen wird, weil die Bahnen, Neigungswinkel usw. der Planeten als erforscht gelten. Für die Alten war das nicht so selbstverständlich und sie waren den Unbilden des Winters in ganz anderer Weise ausgesetzt als wir heute. Es ist vorstellbar, dass Alban Arthuan für sie mehr als das Vorüberziehen eines Datums war.

Was Stonehenge für Alban Heruin, ist Newgrange für Alban Arthuan. Newgrange (Brugh na Boinne) ist eine gewaltige jungsteinzeitliche Grab- oder Tempelanlage im irischen Tal des Boyne River. Ihr Alter wird auf ca. 4500 Jahre geschätzt. Zum Sonnenaufgang der Wintersonnenwende leuchtet das Sonnenlicht zu einem eigens eingebauten "Fenster" in den Tempel hinein, einen 20 Meter langen Gang entlang und trifft an dessen Ende auf einige große Steine, in die Bilder, Spiralen etc. eingeritzt sind. Das Sonnenlicht wandert 17 Minuten lang über diese geritzten Bilder, als wollte es eine Geschichte erzählen, die zu enträtseln man aber bisher nicht imstande war.

Ein altes Brauchtum zur Wintersonnenwende ist der sog. "yule log", ich glaube auf deutsch heißt das "Julholz". Ein großer Holzblock oder Balken wird im zentralen Feuerplatz verbrannt. Traditionell muss er vom eigenen Land stammen oder ein Geschenk sein, er darf nicht gekauft werden. Angezündet wird er mit Hilfe des Restes vom letzten Jahr, so wird rituell das Licht von einem Jahr an das andere weitergegeben. Der Balken glimmt 12 Tage in der Feuerstelle vor sich hin, bevor er gelöscht wird. Der Rest wird wieder ein Jahr aufgehoben, die Asche mit den Samen vermischt und ausgesät. So wird die Kraft der Sonne - symbolisiert im Julholz - auf das Land verteilt.

Das Haus wird traditionell mit immergrünen Zweigen dekoriert. Dieses Grün erinnert uns an das gegebene Versprechen, dass nach dem Winter die Natur wieder ergrünen, dass das Leben zurückkehren wird. Gleichzeitig bietet ein mit Grün dekoriertes Heim den Naturgeistern Zuflucht, die Schutz vor Dunkelheit und Kälte suchen, so sagt der irische Brauch.

Eine andere Tradition besagt, dass es einen ewigen Kampf gibt zwischen dem Oak King, dem Gott des zunehmenden Lichtes oder dem göttlichen Kind (Divine Child), und dem Holly King, dem Gott des abnehmenden Lichtes, oder dem dunklen Herrn (Dark Lord). Zur Wintersonnenwende gewinnt der Oak King, zur Sommersonnenwende wird er vom Holly King besiegt.
Die Gottheiten von Samhain sind der Dagda (-> siehe Samhain) und Brighid.
Brighid, die Tochter des Dagda, ist die Patronin der Druiden und der Barden und die Göttin der Heilkunst, Schmiedekunst, Musik und Poesie. Heute erinnert man sich an sie als Saint Brighid of Kildare und als solche wird sie an heiligen Quellen, in Kirchen und Schreinen verehrt. "Kildare" stammt von dem altirisch-gälischen Ausdruck "Cill Dara", was bedeutet "Kirche der Eiche".
Brighids Flamme der Inspiration durchdringt, wie das wiedergeborene Licht der Sonne zur Wintersonnenwende, die Dunkelheit von Seele und Geist in der dunkelsten Zeit des Jahres. Der Kessel des Dagda birgt das Versprechen, dass die Natur schon bald wieder reiche Frucht tragen und für ihre Geschöpfe sorgen wird.

Alban Arthuan fällt meistens (nicht immer!) auf den 21.12.