Imbolc

Imbolc, auch Oímelc, Oímealg

Bereits die Namensgebung ist umstritten. Hinsichtlich "Imbolc" hält sich hartnäckig das Gerücht, dass es "in the belly", also "im Bauch" (Mutterleib) bedeuten soll. Ein Beleg dafür ließ sich allerdings nicht auftreiben. Oímelc, oder Oímealg (vermutlich altirisch), deutet auf eine Verbindung mit der Milch des Mutterschafes hin. Nachdem die Schafe um diese Jahreszeit zumindest in den gemäßigten Regionen Irlands geboren werden, erscheint diese Wortdeutung plausibler.

Auf Spekulationen, ob bei Imbolc, Oímelc, Oímealg die Übereinstimmung bzw. Ähnlichkeit mancher Buchstaben und eine möglicherweise ähnliche Aussprache darauf schließen ließen, dass es sich ursprünglich um dasselbe Wort gehandelt haben könnte, möchte ich hier nicht näher eingehen.



Wenden wir uns statt dessen der Substanz des Festes zu:

Imbolc markiert den Mittelpunkt des Jahreskreises zwischen Samhain und Beltane und steht am Ende des Winters und am Beginn des neuen landwirtschaftlichen Jahres. Es findet am 02.02. statt.
Die alten Kelten waren um diese Jahreszeit dem Verhungern nahe. Die Vorräte waren am Ende des Winters weitgehend aufgebraucht, die Felder noch leer. Die Schafe waren/sind die ersten größeren Säugetiere, die im Jahreskreis neu geboren werden, weil sie eine relativ kurze Tragzeit haben. Folglich war Schafsmilch das erste Lebensmittel, was zum Ende des Winters hin wieder verfügbar wurde und so wird es vielleicht verständlich, warum sich dieses Fest zunächst um - ja - Schafsmilch dreht.

Auf den Britischen Inseln und in Irland sind die Winter i.d.R. weniger schneereich und eisig als hierzulande, die Wachstumsperiode beginnt früher und die Tiere pflanzen sich früher fort. Damit beginnt auch die Arbeit in der Landwirtschaft wieder: Landwirtschaftliches Gerät wird hergerichtet und gesegnet, in manchen Gegenden bezeichnet Imbolc den Beginn des Pflügens.
Im Volksbrauch werden "Brighid's Crosses", aus Stroh geflochtene gleichschenkelige Kreuze, hergestellt und verschenkt. Diese dienten als Schutzzauber für Haus und Stall. In manchen Gegenden Irlands werden auch Strohpuppen fabriziert und von Haus zu Haus getragen.
Das Stroh aus der Ernte des Vorjahres zum Beginn des neuen Ackerbaus zu verarbeiten, weist wie das Jul-Holz, wo der Rest des Vorjahres verwendet wird, um das neue Holz zu entzünden, auf das Ineinandergreifen der Zyklen hin: Alt und Neu, Anfang und Ende, Vergehen und Neubeginn.

Gleichzeitig ist auch das Sonnenlicht seit Alban Arthuan wieder spürbar mehr geworden, auch wenn es mit der Wärme des Frühlings noch nicht so recht klappen will. Es ist wieder eine Zeit an der Schwelle, am Ende des einen und am Beginn des neuen Abschnittes des Jahreskreises. Eine Feier also des zaghaften Frühlings und der schneller werdenden Rückkehr des Sonnenlichts in dem Wissen, dass der Winter noch nicht völlig vorüber ist.

Schwellenzeiten eignen sich immer besonders, um die eigene Position zu bestimmen, Lebensauffassungen zu überprüfen, Untaugliches über Bord zu werfen und dafür neue Konzepte hereinzunehmen.

Dazu tritt ein Aspekt der Reinigung, den wir um diese Zeit auch anderswo finden: Das christliche Fest Maria Lichtmess wird erstmals im 7. Jahrhundert in Rom erwähnt. Maria erschien 40 Tage nach der Geburt von Jesus im Tempel, um sich dem vorgeschriebenen jüdischen Reinigungsritus zu unterziehen.

Gleichzeitig war im römisch-heidnischen Kalender der Februar eine Zeit der Reinigung, da das römische Kalenderjahr im März neu begonnen hat. Es ist anzunehmen, dass hier ein älterer Reinigungsaspekt im christlichen Gewand weitergeführt wurde. Dabei hat man in den südlichen Ländern Europas mehr die Reinigung betont, während in den nördlichen Ländern mehr die Rückkehr des Lichts im Mittelpunkt stand.

Die Gottheiten von Imbolc sind Brighid (-> Alban Arthuan) und Aengus Og.
Aengus Og, Sohn des Dagda, ist die keltische Version des Eros und die Verkörperung jugendlicher Liebe.

Imbolc ist ein Fest des Neuanfangs: Wiedergeburt. Wiedererwachen. Verjüngung. Die Arbeit in der Landwirtschaft beginnt und mit dem wiederkehrenden Sonnenlicht kehrt auch das Feuer der Lebenskraft (und der Leidenschaft, darauf weist Aengus Og hin) wieder in die Menschen zurück.

Symbole für Imbolc sind die Birke und das Schneeglöckchen, das um diese Zeit auf den Britischen Inseln bereits blüht. Das Schneeglöckchen stößt seine weiße Blüte durch den Schnee und ist damit gleichzeitig Symbol für die Reinheit und für das erste Wachstum in der Pflanzenwelt. Die Birke mit ihrem weißen Stamm ist ebenfalls ein Symbol für Reinheit.

*Noch ein kleiner übergreifender Einschub:

Am 02.02. begeht man an der Ostküste der USA den "Groundhog Day", den "Murmeltier-Tag". Das berühmteste aller *Murmeltiere ist "Punxsutawney Phil" (kein Witz *gg*), der alljährlich in Punxsutawney, Pennsylvania, vor einer Batterie aus Fernsehkameras vor seinen Bau tritt. Wirft er einen Schatten, ist es also sonnig-klar-kalt, bleibt es noch länger *Winter. Wirft er keinen Schatten, ist es also bedeckt-grau-kühl, kommt der Frühling bald.
Quellen behaupten, es handele sich um Relikte eines aus Europa stammenden Brauches zur Wetter-Divination. Im *Original sei hierzu ein Igel verwendet worden.
Tatsache ist, dass Groundhog Day in den USA ein großes Fest ist und ich finde es nicht nur witzig, sondern auch naturphilosophisch korrekt, wenn sich im mächtigsten Land der Erde mal einen Tag lang alles um Murmeltiere dreht *gg*.